Friedhof anders denken
Die Einnahmen für Beisetzungen und Grabstellen decken die Kosten der klassischen Ruhestätte nicht. Jetzt müssen alternative Lösungen her.
Zwischen den wenigen verbliebenen Grabstellen des Schinkeler Friedhofs herrscht Leere. Die Grünflächenanteile nehmen zu, während die Belegungszahlen seit Jahren rückläufig sind. „Durch alternative Bestattungsformen gibt es immer weniger Beisetzungen. Viele wünschen sich, ihre letzte Ruhe individuell nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten und lassen sich heute z. B. auf See oder in einem Friedwald bestatten“, weiß Gemeindevertreter und Mitglied des Friedhofbeirats Markus Schack (SPD). Die veränderte Bestattungskultur wird weiter zunehmen, ist er sich sicher.
Einige Bundesländer hätten bereits ihre Gesetzgebung reformiert. So erlaubt Rheinland-Pfalz bspw., die Urne mit nach Hause zu nehmen, die Totenasche im Garten zu verstreuen oder sie in einer speziellen Kapsel ins Wasser von Rhein, Mosel, Saar oder Lahn zu geben. Eine Regelung in Bremen ermöglicht die Bestattung von Mensch und Tier in einem gemeinsamen Urnengrab.
Konkurrenz nimmt zu
Deutschlandweit steht der klassische kirchliche Friedhof als letzte Ruhestätte in einer Konkurrenzsituation, in der er sich behaupten muss. Laut dem Landesrechnungshof Schleswig-Holstein (LRH) liegt der Auslastungsgrad der Friedhöfe bei durchschnittlich 49 % (Stand: Mai 2022), heißt es in „Wirtschaftlichkeit kommunaler Friedhöfe im Wandel der Bestattungskultur“. Hinzu kommt, dass auch die Bindung an die Kirche immer weiter zurückgeht. Die Folge? Friedhöfe sind durch die Einnahme von Gebühren nicht mehr kostendeckend zu betreiben und werden zu einer finanziellen Belastung. Der Kostendruck und die Deckungslücke für den kirchlichen Träger wachsen.
Zum Ausgleich ihres Defizits von insgesamt 80.000 € wandte sich die Gettorfer Kirche deshalb jüngst an alle Gemeinden des Dänischen Wohlds. Denn: „Der Friedhof ist zwar Kirchenland, aber die Kommunen haben die Aufgabe, Möglichkeiten für Bestattungen vorzuhalten“, so Markus Schack. Da die Kosten je Einwohnerzahl umgerechnet werden, muss Schinkel ca. 5.000 € ausgleichen. Wird die Begräbnisstätte jetzt dicht gemacht? „Nein“, sagt der SPDler, „ist er einmal im Betrieb, kann er aufgrund der langen Ruhefristen nicht einfach von heute auf morgen geschlossen werden, sondern müsste noch 60 Jahre, also bis 2086, nach einer Schließung weitergeführt werden. Das wäre noch deutlich teurer für uns.“
Lösungen für die Zukunft
Gemeinsames Ziel ist es nun, den Friedhof attraktiver zu gestalten. Dafür wurde ein Friedhofsbeirat gebildet, dem Vertreter der Kirchengemeinde und der Kommune angehören. Dieser erarbeitet aktuell ein Portfolio an Vorschlägen, um das Defizit langfristig beheben zu können. „Zukünftig könnte es vielleicht einen Urnenhain geben, in dem Gräber einen neu gepflanzten Baum umrunden, oder eine kleine Friedwaldfläche entstehen.“ Treffen auf Friedhöfen der näheren Umgebung sollen weitere Anregungen bringen. Mit der Ideenfindung ist man übrigens nicht allein: „Von 59 Kommunen haben 51 bisher keine Friedhofsentwicklungsplanung“, stellte der Landesrechnungshof fest.